Zum Glück hab' ich das Gras wachsen gehört

Zu Weihnachten ist es üblich, Geschenke nach Wunsch zu besorgen und wie jedes Jahr stand auch dieses Jahr bei uns zur Debatte, was wir uns schenken wollen oder was wir uns von unseren Eltern wünschen. Mein Mann überließ meist mir das Aussuchen der Geschenke, die wir für die Familie planen. Als unsere Eltern uns fragten, was wir uns wünschen, hatte ich schon eine Vorstellung. Für die Terrasse werden freistehende Markisen benötigt und da sie bis jetzt nicht so ganz in unser finanzielles Budget passten, haben wir es immer wieder aufgeschoben.

 

Dieses Jahr wollte ich aber nicht in der Sonne braten oder ständig die Terrasse verlassen müssen, weil es vielleicht nicht auszuhalten ist. Mein Mann hingegen meint, die letzten Sommer hätten wenige schöne Tage gehabt und im Grunde bräuchten wir keinen Markisen Sonnenschutz, das wäre Geldverschwendung. Nun bin ich auf dem Land groß geworden und Bauernregeln kannte ich zur Genüge. Wenn vieles auch nicht eintrifft, so besagt doch eine dieser Regeln, dass nach so einem Winter - wie letztes Jahr - ein heißer Sommer bevorsteht und mein Bauchgefühl gab dieser Bauernregel Recht. Nach einer langen Diskussion um alte Bauernweisheiten, ihren Sinn und überflüssigen Anschaffungen gab er nach und wir bekamen zu Weihnachten unsere Markisen. Wenn auch mit einem Knurren in der Stimme bedankte er sich bei unseren Eltern dafür und wir stellten sie bis zum Frühjahr in das große Gartenhaus.

 

Schon im Februar begann das Thermometer auf über 20 Grad zu steigen. Dies war der erste Moment, wo mein Mann ein wenig unruhig wurde. Ich weiß, er hätte gern Recht behalten und mir gern irgendwann gesagt, dass die Markisen umsonst waren. Doch als wir im Mai an einem Wochenende fast 30 Grad erreichten, holte er die Markisen raus und sagte nichts zu mir. Der Sommer nahm seinen vollen Lauf und über Wochen knallte die Sonne auf die Terrasse, ohne - dass es zwischendurch regnete. An einem Abend saßen wir bei einem Glas Wein draußen und mein Mann sagte: „Gut, dass Du manchmal das Gras wachsen hörst“.

 



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